Landkern:Orgel Landkern

im Ersten Weltkrieg zur Herstellung von Munition sämtliche aus Zinn hergestellten Prospektpfeifen beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden? Im gesamten Rheinland gibt es wohl weniger als 20 Orgeln mit ihren originalen Prospektpfeifen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Die Orgel in Landkern gehört dazu.
Umfangreiche Recherchen zur Geschichte der Landkerner Orgel haben ergeben, dass die „Hünd-Orgel ein kostbares „Schmuckstück“ ist. Sie ist ca. 165 Jahre alt und fast noch vollständig erhalten.
Ein Orgelsachverständiger schreibt: „Allein schon das Erscheinungsbild des hochstrebenden Orgelprospekts mit den kostbaren und vergoldeten Schnitzereien sowie den noch original erhaltenen Prospekt-Pfeifen sucht seinesgleichen. Hier dürfte auch dem unerfahrenen Betrachter schnell klar sein, dass es sich nicht um eine neogotische „Fassade von der Stange“ handelt, sondern um ein ganz individuell und hochkünstlerisch gestaltetes Gehäuse, entworfen von einem der besten Architekten des Rheinlands, dem Diözesanbaumeister Vinzenz Statz aus Köln, der übrigens die Einrichtung des gesamten Landkerner Kirchenraums sozusagen komponierte, wozu insbesondere die Orgel zählt, quasi als Gegenstück zum gegenüberliegenden Hochaltar“ (H.-J. Clemens). Die Orgel verdient es, besonders kompetent, denkmalgerecht und feinfühlig restauriert zu werden.
In enger Absprache mit Orgelsachverständigen und der Projektgruppe vor Ort hat der Verwaltungsrat den Auftrag an die Firma Orgelbouw Verschueren vergeben. Herr Zoutdendijk schreibt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Vor einigen Jahren wurde ich eingeladen, Ihre Orgel in Landkern zu besuchen und zu begutachten. Die architektonische Verbindung zwischen Kirchengebäude und Orgelgehäuse, beide entworfen vom Kölner Diözesanbaumeister Vincenz Statz, ist ästhetisch und kreativ sehr gelungen. Was das Instrument betrifft, war sofort klar, dass diese Orgel sehr solide und handwerklich gut gebaut ist. Auch in klangtechnischer Hinsicht ist dieses Instrument ein Denkmal und ein Kunstwerk. Die Hünd-Orgel hier in Landkern ist eines der seltenen Beispiele für Instrumente, die nahezu unverändert erhalten geblieben sind. Diese Orgel hat daher nicht nur lokale Bedeutung, sondern ist auch überregional ein Zeitzeugnis rheinischer Orgelbaukunst des 19. Jahrhunderts!
Aufgrund von Alterung und Verschleiß muss die Orgel restauriert werden. Die Orgel klingt zwar noch, aber ihre besonderen Qualitäten sind derzeit nur schwer zu erkennen.
Eine Orgel, mit ihren Hunderten, Tausenden von Teilen wird zu einem spielfähigen Instrument, wenn alle Teile gut aufeinander abgestimmt sind. Gerne wird dieses Bild als Metapher für eine lebendige Gemeinschaft verwendet, die aus unterschiedlichen Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen entstehen kann. Es ist eine Herausforderung und ein großer Aufwand, eine solche Orgel restaurieren zu lassen, aber andererseits ist sie ein Teil der Geschichte und Identität von Landkern, die wir für zukünftige Generationen bewahren wollen.
Diese Orgel bietet genügend Möglichkeiten, um sie nicht nur in der Messe, sondern in Zukunft auch für kulturelle Veranstaltungen, Orgelunterricht usw. zu verwenden.
Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man Arbeit leistet, die nicht nur für die nächsten 3, 5 oder 10 Jahre sinnvoll ist, sondern für die nächsten Jahrzehnte und damit auch für nachfolgende Generationen. Natürlich ist ungewiss, wer sich nach uns für eine solche Orgel engagieren wird, aber andererseits gibt es nur Perspektiven, wenn wir uns um dieses Erbe kümmern. Diese Kirche und diese Orgel sind und bleiben eine Quelle der Inspiration und Spiritualität.
Johan Zoutendijk
Interessantes findet sich auf der Homepage: orgelklanglandkern.de
Pastor Michael Wilhelm
